Bibelwort


Liebe Gemeindeglieder,
liebe Freunde,

wären Sie gerne reich? Vielleicht sogar stinkreich? In meinem Urlaub an der niederländischen Nordseeküste habe ich gelernt, was das eigentlich bedeutet.

Der Fußboden der Katharinenkirche in Brielle besteht fast ganz aus Grabplatten. Um in der Kirche beerdigt zu werden und nicht auf dem Kirchhof, musste man einen gehörigen Geldbetrag bezahlen. Wenn einer der Reichen, die sich das leisten konnten, in der Kirche beerdigt worden war, konnte man das noch lange nach dem Begräbnis in der Kirche unangenehm riechen. In Holland nannte man ihn darum einen „reichen Stinker“ - „stinkreich“ eben.

Bei einer Fortbildung erzählte ein Kollege von einer Grabplatte, die ihn sehr beeindruckt hat. Darauf stand in geschwungenen Buchstaben eingemeißelt:

„Hier modern ihrer fröhlichen Auferstehung entgegen die Gebeine von …“ Der so Begrabene war wohl auch reich gewesen – vielleicht nicht an Geld, aber an Gottvertrauen. Er war sich gewiss, dass – selbst wenn von ihm und seinen Gebeinen dann nichts mehr zu fi nden sein wird – Gottes Schöpferwort ihn bei der Auferstehung zu neuem Leben rufen wird: „Freudig sag ich, wenn ich sterbe: Ich bin ein getaufter Christ; denn das bringt mich zu dem Erbe, das im Himmel droben ist. Lieg ich gleich im Todesstaube, so versichert mir der Glaube, dass mir doch der Taufe Kraft Leib und Leben wieder schafft.“

Mit dem irdischen Reichtum der Menschen in Brielle war es übrigens bald nach Beginn des Kirchbaus vorbei. Die größte Kirche der Niederlande hätte die Katharinenkirche eigentlich werden sollen. Wegen Geldmangels wurde aber 1482 der Bau an der Kirche eingestellt und nicht wieder aufgenommen. So wurden das obere Turmdrittel, Querhaus und Chorraum nie gebaut.

Das vor Augen wünsche ich Ihnen nicht den Reichtum eines „Stinkers“, sondern ein Herz, das reich ist in der Gewissheit, dass wir Gott recht sind aus Gnade um Christ willen durch den Glauben – und damit eine fröhliche Auferstehung.


Ihr Superintendent

Bernd Reitmayer