Angedacht


Die Menschen bitte füttern!

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Freunde,

In Zeiten von Corona laufen die Dinge etwas anders. Aus diesem Grund bemühe ich mich wie auch viele andere Menschen, mehr zu laufen als sonst. Raus an die frische Luft und an den Mittellandkanal. Gerade wenn ganze Familien unterwegs sind, ist da einiges los: Fahrräder, Hunde, Kinder und jede Menge Enten. Gerade für letztere ist das sehr verlockend. Viele Eltern bringen altes Brot mit, das die Kinder an die Enten verfüttern. Eine schöne Freizeitaktivität, gerade wenn die Kinder irgendwie beschäftigt werden müssen. Doch wer in Bad Essen an der Marina unterwegs ist, kommt nur schwer an dem Zaun vorbei, er seit einigen Wochen mitten auf dem Weg steht. An diesem Zaun hängt ein Schild: "Bitte die Enten und Möwen nicht füttern!" Na so was. Das Brot sei ungesund für die Tiere, steht da weiter. Da will man den Enten etwas Gutes tun, aber richtet damit anscheinend nur Schaden an. Die Tiere unterscheiden nicht wirklich nach dem, was ihnen hilft und was ihnen schadet. Wenn sie Hunger haben, fressen sie.

Es ist gar nicht so einfach zu unterscheiden, was gutes und was schlechtes Futter ist. Brot ist für die Enten ungesund, aber für die Menschen ist es ein Grundnahrungsmittel. Gerade wenn wir uns die Nachrichten in diesen Tagen anschauen, sind wir immer wieder vor die Wahl gestellt, was gut und was schlecht für uns ist. Wie sollen wir entscheiden, welcher Politiker Recht hat? Welcher Virologe die besseren Argumente vorweist? Alles wird uns vor die Füße geworfen und wir müssen sehen, wie wir uns in dem Dschungel aus Meinungen zurechtfinden.

Es war Jesus, der seinen ersten Freunden gesagt hatte, was gut und was schlecht ist. Aber als Jesus in den Himmel aufgefahren war, um an der Seite von Gott Vater zu herrschen - wer sollte nun entscheiden? Jesus hatte vorgesorgt. Er hatte seinen Freunden eine Botschaft mit auf den Weg gegeben: "Der Heilige Geist, den euch der Vater an meiner Stelle als Helfer senden wird, er wird euch alles erklären und euch an das erinnern, was ich gesagt habe." Der Heilige Geist zeigt euch, wo es lang geht. Er soll euch helfen und euch darüber hinweg trösten, dass ihr mich, Jesus, nicht mehr sehen könnt. Er soll euch an mich erinnern.

Mit seiner Botschaft vom Heiligen Geist hat Jesus ein Hinweisschild aufgestellt: "Die Menschen bitte füttern!" Die Menschen sollen gefüttert werden mit dem Heiligen Geist, der sie tröstet. Sie sollen gefüttert werden mit dem, der Hoffnung gibt und lehrt, was gut und was böse ist. Und sie sollen gefüttert werden mit dem, der den Glauben an Jesus Christus schenkt. Die Botschaft war eindeutig: "Die Menschen bitte füttern!" Das ist nicht nur eine Erinnerungsnotiz für Gott, damit er uns nicht vergisst. Es ist zugleich ein Hoffnungszeichen für uns Menschen, dass Gott für uns sorgen will.

In diesen Tagen feiern wir Pfingsten. Das ist der Tag, an dem Gott den Heiligen Geist auf diese Erde gesandt hat. Seitdem sind Menschen unterwegs, um an allen Orten von Jesus Christus zu erzählen. Das war der Startschuss für das weltweite Christentum: der Geburtstag der Kirche.

Wie kann man einen Geburtstag am besten feiern, wenn keine großen Partys möglich sind? Vielleicht machen Sie einen Spaziergang am Mittellandkanal. Sie genießen das schöne Wetter und freuen sich an den Enten, die fröhlich und unbeschwert ihre Bahnen auf dem Wasser ziehen.

Claudia Matzke, Pastoralreferentin i.A.